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Gregor Schneider
Installation für die Synagoge Stommeln, 2014

Hauptstraße 85 a

Gregor Schneider setzt die Reihe der Ausstellungen in der Synagoge Stommeln mit der Arbeit "Hauptstraße 85 a" fort. Schneider hat als erster Künstler das gesamte Gebäude architektonisch bearbeitet. Sein Eingriff bringt die ursprüngliche Synagoge zum Verschwinden und fragt damit nach der An- und Abwesenheit des religiösen Raumes. Zusätzlich verleiht er dem nun "verlorenen Ort", der bislang nicht über eine postalische Anschrift verfügt, dauerhaft eine eigenständige Adresse.

„[...] Bedeutende künstlerische Arbeiten von Schneider bestehen darin, dass er selber mit einem Verfahren der Verdoppelung vorgefundene Orte zum Verschwinden gebracht hat. Das bekannteste Beispiel ist Haus u r. Seit 1985 hat er im Gebäude Unterheydener Straße 12 in Rheydt, seinem eigenen Geburtsort und dem Geburtsort von Joseph Goebbels, dem Propagandaminister des Dritten Reichs, in bestehende Räume die gleichen Räume noch einmal eingebaut. Die Verdoppelung des Raums bewirkt, dass der ursprüngliche Ort, hinter die zusätzliche Raumschicht des Einbaus versetzt, der Wahrnehmung entzogen wird. Das Verfahren bewirkt aber auch, dass Schneiders Einbau von der zuvor bestehenden Situation nicht unterschieden werden kann. So verschlingt Schneiders Arbeit im selben Maß, in dem sie einen Raum zum Verschwinden bringt, sich selbst. […]

Im Jahr 2007 hat der verstorbene amerikanische Künstler Max Neuhaus das Time Piece Stommeln geschaffen und, in seinen Worten, dem leeren Haus des Geistes eine Stimme gegeben.1 In Schneiders Werk hingegen erscheint die Synagoge, zum Verschwinden gebracht durch eine normgerechte Renovation, als materielles Analogon des vernichteten jüdischen Volks und seiner verstummten Klagen und Gebete, die sich hier an einen verborgenen Gott gerichtet haben. Nur verborgen und unzugänglich, in undurchdringliches Dunkel versetzt, eingeschlossen in eine Hülle furchtbarer Normalität, der kulturellen Aktualisierung entzogen, kann das Bethaus als Bethaus erneut hervortreten. Schneider baut darauf, dass sich das Verschwundene in eigentümlicher, unsinnlicher Weise zu erkennen gebe und wahrzunehmen sei, und die Versicherung, Hauptstraße 85 a sei die richtige Adresse seiner Arbeit für die Synagoge Stommeln, erlaubt es, die Travestie zu erfassen, die er mit großem Aufwand errichtet hat.

Es ist das erste Mal, dass Schneider ein Gebäude zum Verschwinden bringt, indem er es umfassend verkleidet. […]"

In seiner Arbeit für die Synagoge Stommeln verbindet er eine Würdigung der jüdischen Religiosität mit der Zurückweisung deutsche Erinnerungskultur.“

Ulrich Loock: Gregor Schneider, Hauptstraße 85 a , Auszug aus dem Katalogtext

1 Eine Zeichnung von Max Neuhaus ist von folgenden Worten begleitet: “Sound marking time with its disappearance / Ordering the day into twelve equal sections / According to season / Giving a voice to a vacant house of the spirit.” Abb. in: Max Neuhaus, Time Piece Stommeln, Pulheim 2007, o. P.


03. Juli 2014 – 19. März 2015
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