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Daniel Buren "Multiplikationen. Arbeit in situ für eine Synagoge", 2010

Daniel Buren hat 2010 mit "Multiplikationen, Arbeit in situ für eine Synagoge" eine Installation geschaffen, die mit minimalistischen Mitteln die Wahrnehmung des Raumes eindrucksvoll verändert. Mit wandhohen Spiegeln und wenigen, die Architektur akzentuierenden Farbfolien thematisiert der Künstler den Raum an sich und das Verhältnis der Besucher zu ihm.

Der Untertitel in situ, -vor Ort -, den Buren fast allen seinen Arbeiten verleiht, ist das bestimmende Charakteristikum seiner Vorgehensweise: Die Arbeiten entstehen vor Ort, vor allem aber lenken sie die Aufmerksamkeit mehr auf den Ort als auf jede Besonderheit künstlerischer Handschrift. Der Künstler reduziert seine Formensprache auf die neutrale Einheitlichkeit 8,7 cm breiter, senkrechter Streifen, mit denen er seit Mitte der 60 er Jahre jeden Malgrund überzieht – Plakatwände, Leinwand oder Mauerwerk.

Mit dem Verzicht auf ein Bildmotiv befreite Buren die Malerei davon, etwas darzustellen oder abzubilden zu müssen, und einem wie auch immer gearteten äußeren Zweck, Inhalt oder Bedeutung zu dienen. Nicht zuletzt nimmt auch der Künstler sich selbst hinter den Gegenstand seiner künstlerischen Untersuchung zurück. Seine Streifen machen stattdessen vorhandene Strukturen und Realitäten des Ortes sichtbar, architektonische Besonderheiten, Rahmenbedingungen der Institution und ihren ideologischen Kontext. Das Streifenbild ist dabei nur ein Mittel, laut Buren „visuelles Werkzeug“, mit dem er eine spezifische Ausstellungs- und Präsentationssituation bis hin zu ihren Verkehrswegen und dem Aufsichtspersonal untersucht.

„Das visuelle Werkzeug ist nicht länger ein zu sehendes, ein anzusehendes Werk, sondern das Element, das erlaubt, etwas anderes zu sehen oder zu betrachten.“¹

Letztlich steht damit der Blick des Betrachters im Fokus von Burens Untersuchungen. „Das ‚visuelle Werkzeug’ dient dazu, die Konditioniertheit des Sehens aufzudecken und transparent zu machen und so seinen natürlichen Ursprung wiederzufinden. Die Arbeit selbst zieht sich dabei aus dem Blickfeld zurück. Sie verschwindet und erzeugt die Sichtbarkeit, um die es Buren zu tun ist, paradoxerweise vermittels der eigenen Unsichtbarkeit."²

Das Werk des 1938 in Boulogne-Billancourt geborenen Künstlers, der auch seine Biographie gerne auf den Satz beschränkt „lebt und arbeitet in situ“, ist unter dem Schlagwort „Institutionskritik“ in die Kunstgeschichte eingegangen. Von Anfang an begleitete Buren sein praktisches Werk mit umfangreichen theoretischen Schriften, in denen er sich damit auseinandersetzt, wer und was darüber entscheidet, was Kunst überhaupt sein kann, wo, wann und wie sie stattfinden darf und welche Spielregeln hierfür entscheidend sind.

Dennoch hat Buren natürlich längst in allen bedeutenden Einrichtungen des Betriebssystems Kunst ausgestellt, im Guggenheim-Museum New York (2005) ebenso wie im Centre Pompidou, Paris (2007). Wenige Künstler waren so regelmäßig auf den internationalen Leistungsschauen zeitgenössischer Kunst vertreten wie er: Mindestens sechs Male wurde er seit 1972 zur Biennale in Venedig eingeladen, 1972, 1977 und 1982 zur Documenta, 1987 und 1997 zum Skulpturenprojekt Münster. Seine bekanntestes Werk jedoch findet sich im öffentlichen Raum: 1985/86 gestaltete er Les Deux Plateaux im Innenhof des Palais Royal in Paris.

„Multiplikationen“, Burens Arbeit in situ für eine Synagoge wurde mit der Unterstützung der Kunststiftung NRW realisiert.

¹ Daniel Buren, zitiert nach dem Ausstellungskatalog Kunstsammlung NRW, - D. B. Erscheinen, Scheinen, Verschwinden, Düsseldorf 1996.

² Gudrun Inboden, Vorwort, in Daniel Buren, Achtung! Texte 1967-1991, hg. Von Gerti Fietzek und Gudrun Inboden, Basel 1995, S. 25.

www.synagoge-stommeln.de

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