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Eric Hattan & Oliver Senn

Mitten in Pulheim, Johannisstraße 14

Stadtbild.Intervention
Mitten in Pulheim, Johannisstraße 14

Mitten in Pulheim pulsiert das Leben und die Straßen und Plätze füllen sich nach der kalten Jahreszeit wieder mit Menschen.
Mitten in Pulheim gibt es ein unbewohntes Haus, eine Garage, ehemalige Gärten, aber auch einen kleinen Schuppen, dessen Tage gezählt sind und der in seiner lapidaren Schönheit an eine Ruheinsel aus vergangenen Zeiten erinnert.
Täglich zu unterschiedlichen Zeiten wird die Idylle ab und zu während weniger Minuten zum Klang- und Bildkörper. Zufällig vorbeigehende Passanten erwartet das Unerwartete, wenn sie offene Augen und Ohren haben. Ab dem 29. April sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, das Vergnügen von Ton und Bild miteinander zu teilen. Es gibt kein Hier und Jetzt, aber ein Ungefähr und Vielleicht.

Über die Künstler

Hattans Arbeiten beschäftigen sich immer wieder mit Alltäglichem, Unspektakulärem, Unauffälligem. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was uns umgibt, was wir jedoch meist nicht wahrnehmen. Sei es, dass er einen über den Asphalt wirbelnden Papierstreifen filmt, eine Verpackung mit Sorgfalt umstülpt, Stühle und ganze Zimmereinrichtungen unter die Decke klemmt: Konkrete Dinge und Räume sind Ausgangspunkt einer ebenso kritischen wie poetischen Hinterfragung, bei der Hattan die „normale“ Ordnung von Architekturen und Situationen durchbricht, Statik mit spielerischer Ironie unterläuft. Dabei spielt vor allem auch das Prinzip des Um- und Neuordnens eine große Rolle in seinem Werk. Eines seiner wichtigsten Werke entstand 1990 im Helmhaus Zürich, in das er – anstelle einer klassischen Ausstellung – seinen gesamten materiellen Besitz verbrachte: Hausrat, Kleider, fertige und unfertige Kunstwerke, Reststücke von Arbeitsmaterialien, Werkzeuge, Ateliermobiliar, selbst Abfall und den Inhalt jeder Lager- und Stauraumecke auf dem Dachboden.

Im urbanen Raum ist Hattan häufig mit der Videokamera unterwegs, gerne in Randgebieten und in der Nähe von Baustellen. Noch nicht oder nicht mehr genutzte Zonen, Liegenschaften kurz vor ihrem Abbruch oder während eines Baustopps, Brachen und Niemandsorte scheinen den Künstler insbesondere zu inspirieren. Auch seine temporären Projekte im öffentlichen Raum geben Zeugnis von einer Lust, dem Blick aufs Gewohnte eine plötzliche Wende zu geben und Ansichten umzustülpen. Hattans Interventionen laden uns ein, das, was wir sehen, nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern zu interpretieren und dabei auf unsere Erfahrung und unsere Phantasie zu vertrauen.

„Es gehörte immer schon zu den noblen Aufgaben der Kunst, dann und wann ein Stöckchen ins Getriebe unserer Konventionen zu werfen. Und einer, der diese Kunst des Stöckchenwerfens meisterlich beherrscht, ist der 1955 im aargauischen Wettingen geborene Eric Hattan.“ (Samuel Herzog, in: Neue Zürcher Zeitung, 18.3.2014 - www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/im-fleckenkleid-der-moeglichkeiten-1.18264767)

„Man könnte von einer Verfremdung sprechen – eigentlich aber zeigt Hattan nur auf, wie ungewohnt uns die Welt wohl sowieso vorkäme, wenn wir nur etwas genauer (oder etwas freier) hinschauten, wenn wir gewissermaßen die Augen öffneten. Dabei will uns seine Kunst die Umgebung nicht unfassbar machen – im Gegenteil will sie uns gerade zeigen, dass wir sie fassen können.“ (Samuel Herzog)

„Kunst verstehe ich als Arbeit an Veränderung. Es geht weder um Produkte noch um Lösungen, eher um (immaterielle) Intensität, also um Erfahrung, selbst zu leben und nicht gelebt oder fremdbestimmt zu werden. Aus diesem Ansatz heraus verstehe ich meine Arbeit und die dazu notwendige Haltung als Möglichkeit, mir Wege und Sichtweisen zu eröffnen. Also immer wieder an Punkten – an Straßenverzweigungen – zu stehen und mich zu entscheiden, welche Richtung und welchen Weg ich weiter verfolgen will. Dabei ist – ähnlich einem Falkplan – nie das gesamte Netz zu überblicken.“
(Eric Hattan, www.hattan.ch/fileadmin/hattan/user_upload/PDFs/2011_KuenstlerLexikon_EH.pdf)

Eric Hattan lebt in Basel und Paris. Seine Arbeiten entwickelt er seit den 1980 er Jahren an vielen Orten. (Mehr dazu unter www.hattan.ch)

Oliver Senn ist Schlagzeuger und Architekt.

Gemeinsam haben Hattan und Senn seit 2010 an verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet, insbesondere 2014 für eine neue Tramlinie in Genf eine Anzahl von Fahrleitungsmasten und Straßenlaternen skulptural umgeformt. (www.art-et-tram.ch, https://vimeo.com/114286279)


Ausstellungsauswahl:

2014 R&Art, Vercorin, CH, (öffentlicher Raum)
Habiter l’inhabituel, FRAC Paca, Fonds Régional d’Art Contemporain, Marseille, F
2013 What About Sunday? MK Gallery, Milton Keynes, UK mit Silvia Bächli
2011 Les Poissons, selon l’arrivage du jour, LaBF15 Espace d’Art Contemporain, Lyon, F
Schnee bis im Mai, Kunsthalle Nürnberg, mit Silvia Bächli
2010 Lèche-Vitry-n, MAC/VAL, Musée d’art contemporain du Val de Marne, Vitry sur Seine, F
Hinkel, MAP Markus Ambach Projekte, Düsseldorf
2009 Into the white, MAC/VAL, Musée d’art contemporain du Val de Marne, Vitry sur Seine, F
2008 All the while, Espace Beaux-Arts, Le printemps de septembre, Toulouse, F
2007 Sensations, Skopia Art contemporain, Genève, CH
2005 Echelle. Echec et Réverb, MAMCS Musée d'art moderne et contemporain, Strasbourg, F
Vous êtes chez moi, FRAC Alsace, Sélestat, F
2004 Kunstverein Bremerhaven, Bremerhaven, D
Liquid Concrete, SI Swiss Institute, New York, USA
2003 Kennen Sie DIE? Kunsthaus Baselland Muttenz, CH, mit Werner Reiterer
2001 Béton liquide, MAMCO Museé d'art moderne et contemporain, Genève, CH
Béton liquide, Aargauer Kunsthaus, Aarau, CH

29. April bis 21. Juni 2015, Johannisstraße 14, 50259 Pulheim

Eröffnung am Mittwoch, 29. April 2015 um 18 Uhr

Mitten in Pulheim, Johannisstraße 14 wird gefördert von der Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln.

Kontakt

Alte Kölner Straße 26
50259 Pulheim

Telefon: 02238 - 808-0
Telefax: 02238 - 808-345

www.pulheim.de
stadtpulheim@pulheim.de

Öffnungszeiten

Montag - Mittwoch
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 16.00 Uhr

Donnerstag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 18.00 Uhr

Freitag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr

Zusätzlich im Einwohnermeldeamt
Dienstag 16.00 Uhr – 18.00 Uhr
Donnerstag 18.00 Uhr – 19.00 Uhr


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