Seitenanfang

Raumklänge 2013

Phill Niblock zum Achzigsten
Ein Ausschnitt mit tiefem Einblick – Experimental Intermedia

Pulheim-Stommeln / Köln · 11. 09. - 4.10.

Die diesjährigen Veranstaltungen sind dem kompositorischen und filmischen Schaffen von Phill Niblock und seinem Netzwerk um »Experimental Intermedia« gewidmet. Der 1933 geborene Phill Niblock ist als einflussreicher Komponist für spartenübergreifendes Musikschaffen anerkannt. Die Raumklänge 2013 verstehen sich als eine Hommage an Niblock anlässlich seines 80. Geburtstages. Seit 2012 planen die Kulturabteilung Pulheim und der Kölner Veranstalter Georg Dietzler/gerngesehen die Raumklänge gemeinsam. So überziehen in diesem Jahr Konzerte, Klangkunstarbeiten und -installationen und Filmkonzerte verschiedene Veranstaltungsorte in Stommeln und Köln wie ein dichtes Netz. In Stommeln ist der Spielort traditionell die alte Kirche St. Martin und in Köln u. a. die Alte Feuerwache, die Kunststation St. Peter. Das Programm verteilt sich zeitlich auf zwei Blöcke: Der 1. Programmblock umfasst den Zeitraum vom 21. Juni bis 5. Juli 2013, der 2. Programmblock den Zeitraum 7. Oktober bis 10. November 2013. Noch etwas Besonderes: Viele der Konzerte und Installationen sind Deutsche Erstaufführungen, teils sogar Uraufführungen.

Klanginstallation hans w. koch, circle of fifths
Fr 21.6. 2013 · 19 Uhr

Kochs circle of fifths, ist eine Klanginstallation für temperierte Musik, die Tonaufnahme eines bekannten Stücks der klassischen Musik, wie zum Beispiel Miniaturen von Bach mit 12 Tonspuren für 12 Lautsprecher. Auf jeder Spur ist nur ein Ton des Musikstückes zu hören, zum Beispiel alle c’s über den Umfang von 9 Oktaven oder alle g’s usw. Zur Wiedergabe dienen 12 Lautsprecher, angeordnet nach dem Quintenzirkel. Steht der Zuhörer vor dem Kreis, hört er die zugrunde liegende Aufnahme, aufgefaltet nach Tonhöhen. Die tonale Struktur erscheint seziert, Melodien bewegen sich zwischen den Lautsprechern im Raum. Ändert er den Standpunkt, verschiebt sich die Wahrnehmung der Lautstärkeverhältnisse und des harmonischen Spektrums. Hält er das Ohr sehr nahe an einen Lautsprecher, pulsiert nur noch eine Tonhöhe in den verschiedenen Oktavlagen. Durch die Verschränkung des imaginären Tonraums mit dem realen Raum klingt vertraute Musik intakt und zerfallen zugleich – ortlos. hans w. koch (1962) beschäftigt sich als Künstler am liebsten mit Offensichtlichem, aber Nicht-Naheliegendem: Dies kann sich ebenso auf den Gebrauch von
Haartrocknern als kybernetischen Maschinen wie die sehr wörtlich genommene Verwendung von Laptops als Musikinstrumenten beziehen. Auch in der Arbeit mit klanglichem Material versucht er die Dinge beim Wort zu nehmen, wie zum Beispiel in der Installation circle of fifths, wo der virtuelle Tonraum des Quintenzirkels mittels 12 Lautsprechern in den realen Raum übersetzt wird. »ich betrachte kunst im allgemeinen als ausformung von gedanken in unterschiedlichen materialien. persönlich ziehe ich konzeptionelle ansätze vor: mehr gedanke, weniger material.« (hans w. koch)

Eröffnung der Klanginstallation für temperierte musik am 21. 6. 2013 · 19 Uhr
Öffnungszeiten: Sa 22. 6. und So 23. 6. · 15 – 17 Uhr

Zeit & Ort: Alte Kirche St. Martin Ingendorfer Str., 50259 Pulheim-Stommeln
Preis: Eintritt frei

Konzert experimental music yearbook / Komponisten aus Los Angeles
Fr 21.6.2013 · 20 Uhr

Lucia Mense , Köln · Blockflöte
Frank Gratkowski , Berlin · Klarinette
Seth Josel, Berlin · Gitarre
Anton Lukoszevieze, London · Cello
hans w. koch, Köln · Elektronik · Objekte

In Los Angeles gibt es eine ganz eigene Szene junger Komponisten, die
die Fahne der experimentellen Musik hochhalten. Trotz aller Verschiedenheit in ihrem künstlerischen Schaffen haben sie eine gemeinsame Wurzel: das vor den Toren von Los Angeles in der Suburbia von Valencia gelegene California Insitiute of the Arts und insbesondere die zwei Kompositionslehrer James Tenney und Michael Pisaro, die dort unterrichteten bzw. unterrichten. Unter dem Titel The experimental music yearbook betreiben die Komponisten seit 2009 auch eine online Publikation, die neben lokalen Künstlern Geistesverwandte aus der ganzen Welt einlädt, Stücke oder Texte beizutragen. Das Ziel ist, mit der Zeit eine Datenbank von relevanten Kompositionen und KomponistInnen anzulegen und allgemein verfügbar zu machen. Eine Werkauswahl mit Stücken von Cat Lamb, Michael Pisaro, Michael Winter, Scott Cazan, Tashi Wada, Liam Mooney, hans w. koch und anderen wurden bei der Premiere in der Philharmonie Luxembourg aufgeführt. Nun laden die Musiker, die fast ausnahmslos auch Stücke von Niblock aufgeführt haben, zur deutschen Erstaufführung nach Stommeln ein. Ein Hauch von Hollywood weht durch Stommeln, wenn Kompositionen aus Los Angeles den Raum mit ihren Noten füllen.

Deutsche Erstaufführung am 21.6.2013 · 20 Uhr
(Premiere 2.12.2012 Philharmonie Luxembourg)

Ort: Alte Kirche St. Martin Ingendorfer Str., 50259 Pulheim-Stommeln
Preis: 10 €, erm. 5 €
Vorverkauf: Rathaus Pulheim, Kulturabteilung, Zimmer 15, Tel. 02238 - 808-116
Ticket Center Pulheim, Venloer Straße 98, Tel. 02238 - 477876
und an der Abendkasse

Filmkonzert mit Phill Niblock
So 30.6. 2013 · 18 Uhr

Rhodri Davies , Gateshead/UK · Harfe
A cage of stars komponiert für Rhodri Davies (2012)
Arne Deforce, Belgien · Cello
Feedcornear für verstärktes Cello und Tonband
(abschließendes Stück eines Phill Niblock Zyklus‘ einschließlich der Stücke Harm und Poure, komponiert für A. Deforce. Auftragskompositionen der Musik Biennale en -Scène LYON 2012)
Film: China 87 aus der Reihe The Movement of People Working

In Phill Niblocks Filmkonzerten werden meist Mehrfach-Projektionen von The Movement of People Working mit Mehrspuraufnahmen der Instrumente und live-Musiker/n aufgeführt. Phill Niblocks Filmreihe The Movement of People Working schildert die menschliche Arbeitstätigkeit in ihrer elementarsten Form. Dieses Filmmaterial, das zwischen 1973 und 1991 aufgezeichnet wurde, entstand in Orten wie Peru, Mexiko, Ungarn, Hong Kong, der Arktis, Brasilien, Lesotho, Portugal, Sumatra, China und Japan – insgesamt über 25 Stunden Film – und konzentriert sich auf Arbeit als eine Choreografie von Gesten und Bewegungen. Somit sublimiert der Film die mechanische, aber nichtsdestotrotz natürliche Wiederholung im Arbeitsablauf. Phill Niblock erklärt, dass er The Movement of People Working aus der Notwendigkeit geschaffen hat, »dass meine Musik zeitgleich von Tanz begleitet ist, und dass ein Dreh mit all diesen Menschen zu aufwendig und zu kostspielig gewesen wäre. So habe ich diese Filme gemacht, die ich projizieren konnte, während ich musizierte.«

Deutsche Erstaufführung am 30. 6. 2013 · 18 Uhr

Ort: Alte Kirche St. Martin Ingendorfer Str., 50259 Pulheim-Stommeln
Preis: 10 €, erm. 5 €
Vorverkauf: Rathaus Pulheim, Kulturabteilung, Zimmer 15, Tel. 02238 - 808-116
Ticket Center Pulheim, Venloer Straße 98, Tel. 02238 - 477876
und an der Abendkasse

Phill Niblock und Experimental Intermedia (EI)

Phill Niblock schafft seit über 50 Jahren ein pluridisziplinäres Werk. Seine »Art Intermedia« verbindet minimalistische Musik, konzeptuelle Kunst, Struktural Film, systembezogene oder auch politische Kunst. Seine gesamte Arbeit ist darauf gerichtet, unsere Wahrnehmung und unser Erleben von Zeit zu verändern. Niblock beginnt seine Künstlerlaufbahn als Fotograf und Filmemacher. Der aus Indianapolis stammende Jazzliebhaber lässt sich 1958 in New York nieder und beginnt 1960 zu fotografieren. Er spezialisiert sich zunächst auf die Porträtfotografie von Jazzmusikern wie Charles Mingus, Billy Strayhorn und Duke Ellington. Mitte der 1960er Jahre wechselt er von der Fotografie zum Film und wird durch den Kontakt mit Elaine Summers, der Choreografin und Gründerin von Experimental Intermedia, zum Kameramann der Tänzer und Choreografen am Judson Church Theater, beispielsweise von Yvonne Rainer und Meredith Monk. Ab 1966 verfolgt Phill Niblock quer durch seine Filmreihen und Abfolgen von Diapositiven seine Überlegungen zur Projektion von Bildern in Bewegung. Six Films ist ein Ensemble von vertonten 16mm-Kurzfilmen, das er zwischen 1966 und 1969 realisierte. Dieses Werk kündet durch die Künstler- und Musikerporträts, wie jene von Sun Ra und Max Neuhaus, seine experimentale Vorgehensweise an. Ab 1968 beschäftigt sich Phill Niblock verstärkt mit der Musik und komponiert seine ersten Stücke. Die weitverzweigte Experimental Intermedia Foundation (EI) schreibt seit ihrer Gründung 1968 (New York) Geschichte, mehr noch trägt sie zu stetigen Weiterentwicklungen in den Künsten bei. EI steht u. a. für Schlüsselwerke der spartenübergreifenden intermedialen Musik wie solche der audio-visuellen Künste, Tanz und Performance. Ihr Mitbegründer Phill Niblock ist unermüdlich auf Reisen und interessiert sich immer wieder für junge intermediale Künstler, stellt diese vor, fördert und bindet sie ein in sein Netzwerk. Junge Künstler interpretieren EI neu, entwickeln die Ideen weiter. Minimal Drone Musik ist Musikgeschichte: Die vielen Überlagerungen von Klängen wurden für viele Junge ein Hype – wen wundert’s, dass sich in Phill Niblocks Konzerten ein generationengemischtes Publikum trifft. Köln ist seit Jahren eine der prägenden Stationen bei der Vernetzung.

Raumklänge ist eine Kooperation von gerngesehen und der Stadt Pulheim in Rahmen der regionalen Kulturpolitik NRW. Die Veranstalter gerngesehen und Stadt Pulheim danken allen Förderern und Veranstaltungspartnern für die Zusammenarbeit: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen; Kunststiftung NRW; Konzert des deutschen Musikrates; Kunststation St. Peter; Alte Feuerwache Köln; der Pfarrgemeinde St. Martin, Familie Schall, Enoteca, alle Pulheim-Stommeln.

www.raumklaenge.de www.gerngesehen.de

Kontakt

Alte Kölner Straße 26
50259 Pulheim

Telefon: 02238 - 808-0
Telefax: 02238 - 808-345

www.pulheim.de
stadtpulheim@pulheim.de

Öffnungszeiten

Montag - Mittwoch
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 16.00 Uhr

Donnerstag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 18.00 Uhr

Freitag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr

Zusätzlich im Einwohnermeldeamt
Dienstag 16.00 Uhr – 18.00 Uhr
Donnerstag 18.00 Uhr – 19.00 Uhr


Das Wetter Pulheim