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RAUMKLÄNGE 2017 | visuell

Raumklänge wurde 1998 als Konzertreihe für zeitgenössische Musik gegründet und widmet sich immer wieder interdisziplinären Grenzgängen. In jedem Jahr steht die Reihe unter einem anderen Motto, mit dem sich Musikerinnen und Musiker in den Konzerten auseinandersetzen. Unter dem Titel Raumklänge | visuell liegt der Schwerpunkt in 2017 im Grenzbereich zwischen Klangkunst und bildender Kunst.
Zur seit 2016 bestehenden Kooperation zwischen der Stadt Pulheim und dem Museum Morsbroich kommt die Temporary Gallery als dritter Partner hinzu. So steht nun auch in Köln erstmals ein fester Veranstaltungsort zur Verfügung. In der neuen Konstellation haben sich drei Partner zusammengeschlossen, die ihre Schwerpunkte im Bereich der bildenden Kunst haben. Die Temporary Gallery und das Museum Morsbroich als dauerhafte Ausstellungsorte sowie die Kulturabteilung Pulheim mit ihren Projektarbeiten in der Synagoge Stommeln und der Reihe Stadtbild.Intervention.
Deshalb stehen die Raumklänge 2017 unter dem Schlagwort visuell und greifen verstärkt auf Elemente der bildenden Kunst, performative Ansätze und optisch auffällige Instrumente zurück. Die musikalische Hauptrolle spielen hierbei vor allem elektronische und perkussive Klänge, die in den einzelnen Konzerten einander gegenübergestellt und miteinander verbunden werden.

Die Konzerte in Köln, Leverkusen und Stommeln

02. Mai 2017 | 20 Uhr | Köln
eRikm | Improvisationen für Turntables

Seit 1992 hat sich eRikm (*1970) vor allem auf dem Gebiet des Turntablism, der Musique Concrète und der Installationskunst hervorgetan. Nach zahlreichen Kooperationsprojekten und Performances im Bereich der Soundart gelang ihm 1996 der internationale Durchbruch als Solokünstler und Klangkunst-Virtuose. In den Ausstellungsräumen der Temporary Gallery erzeugt eRikm komplexe Klangcollagen mit turntables.
Durch die unterschiedlichen Einflüsse der Genres, in denen sich eRikm bewegt, steht seine Musik zwischen Populärkultur und Avantgardekunst, Komposition und Improvisation. er reizt die Möglichkeiten technischer Artefakte wie des Plattenspielers im Zusammenspiel mit Stimme aus und legt seinen Fokus auf die Vielseitigkeit von Natur und Technik. Aufzeichnungen natürlicher Klänge und technische Störgeräusche werden miteinander kombiniert und bilden so einzigartige neue Sounds, die eRikm zu komplexen Klangwelten montiert.
eRikm arbeitete mit zahlreichen bekannten Künstlern der Neuen Musik und Alternative-Musikern zusammen, u.a. mit Luc Ferrari, Christian Marclay, Otomo Yoshihide, Voice Crack und FM Einheit. Seit Beginn der 2000er Jahre widmet er sich vermehrt der visuellen Kunst. Die entstandenen Werke verbindet er mit seinem musikalischen Schaffen, um der Vision einer ganzheitlichen Kunst gerecht zu werden. Seine audiovisuellen Arbeiten wurden u.a. in der Kunsthalle St. Gallen, der Clover Hall der Doshisha University Kyoto und der Manifestation Internationale d'Art in Québec (Kanada) ausgestellt.
eRikm lebt und arbeitet in Marseille.

03. Mai 2017 | 20 Uhr | Köln
Gerry Hemingway | Schlagzeugimprovisationen

Gerry Hemingway (*1955) begann bereits mit 10 Jahren mit dem Schlagzeugspiel. Als Jugendlicher spielte er in verschiedenen Jazz- & Bebop- Bands, wo er bekannte Instrumentalisten wie Anthony Davis, Leo Smith, George Lewis und Anthony Braxton kennenlernte und mit ihnen und zahlreichen anderen Musikern gemeinsam auftrat.
Von 1983-1994 spielte Hemingway im Anthony Braxton Quartet, 2007 war er an der Produktion der Reunion-CD Old Dogs beteiligt. Außerdem gehört er, neben zahlreichen Solo- und Ensembleprojekten, zur Kernbesetzung des Anthony Davis Episteme Ensembles. Seine zahlreichen Kollaborationen bewegen sich im Bereich der komponierten und improvisierten zeitgenössischen Musik. Er arbeitete unter anderem mit Evan Parker, Cecil Taylor, Mark Dresser, Derek Bailey, Oliver Lake, Kenny Wheeler, Frank Gratkowski und Michael Moore.
Gerry Hemingway lebt und arbeitet in der Schweiz, wo er seit 2009 an der Hochschule Luzern unterrichtet.

Do, 22. Juni 2017 | 19 Uhr | Leverkusen
Trio Hübsch – Kimmig – Nies

Neue Musik und Improvisierte Musik stehen im Mittelpunkt des musikalischen Schaffens der drei Musiker Carl Ludwig Hübsch, Harald Kimmig und Joker Nies. Aus ihren eigenen Klangsprachen entwickeln sie eine gemeinsame Musik, die im Augenblick des Spielens entsteht. Stille und Klang verbinden sich im Spiegelsaal von Museum Morsbroich zu einem einzigartigen Konzert.
Carl Ludwig Hübsch (*1966) ist Komponist, Tubist und Perkussionist. Er komponiert für Ensembles mit unterschiedlicher Besetzung und ist als Tubist ein im In- und Ausland gefragter Interpret und Workshopleiter. Bei seinen Konzerten verbindet er komponierte und improvisierte Elemente aus Neuer Musik und Jazz.
Harald Kimmig (*1956) ist Violinist der freien improvisierten Musik und Komponist. In seinen Arbeiten erforscht er Klänge und musikalisch-gestalterische Formen mittels Improvisation. Auf virtuose Art kombiniert er klassisches Violinspiel mit instrumentalen Geräuschen. Er realisiert regelmäßig interdisziplinäre Projekte mit Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Bildende Kunst, Tanz und Literatur. Gemeinsam mit Norbert Rodenkirchen komponierte er 2004 die Aura Christinae, die wiederholt in Stommeln zur Aufführung kam.
Joker Nies experimentiert mit allen Arten elektronischer Klangerzeuger und Sound-Design. So entstand im Laufe der Jahre eine wachsende Anzahl modifizierter oder selbstentwickelter elektronischer Instrumente, die eine große Vielfalt an Klängen hervorbringen. Seit vielen Jahren arbeitet Joker Nies als Hörspiel-Sound-Designer bei zahlreichen Produktionen von WDR und Deutschlandfunk.

Do, 29. Juni 2017 | 19 Uhr | Leverkusen
Elliott Sharp | Gitarrenimprovisationen

Elliott Sharp (*1951) ist ein US-amerikanischer Multiinstrumentalist und Komponist, der zur experimentellen Avantgardeszene New Yorks gehört.
Er studierte von 1969 bis 1971 an der Cornell University und anschließend am Bard College und an der University of Buffalo Physik, Komposition, Musikethnologie und Improvisation, u.a. bei Morton Feldman und Roswell Rudd. Als Gitarrist tritt Sharp in Psychedelic- und Jazz Bands aber auch in Avantgardegruppen und klassischen Ensembles auf. Sharp hat eigene Instrumente entwickelt und Werke für das Soldier String Quartet, das American Composers’ Orchestra und das hr-Sinfonieorchester komponiert. Seine Musik ist zwischen den Genres angesiedelt und weder als Rock- noch als Jazz- oder Neue Musik zu charakterisieren.

Fr, 30. Juni 2017 | 20 Uhr | Stommeln
Musik in Tüten | Raum-Sound-Collage

Musik in Tüten ist eine begehbare Raum-Sound-Collage des Düsseldorfer Konzeptkünstlers Mischa Kuball und den Akteuren Thomas Klein, Hans-Joachim Roedelius und Axel Manrico Heilhecker. Es entsteht dabei eine flüchtige Momentaufnahme für einen Abend, die Bedingungen von Klangproduktion und Klangdistribution werden thematisiert und räumlich erfahrbar gemacht.
Mischa Kuball (*1959) ist Konzeptkünstler und arbeitet seit 1984 im öffentlichen und institutionellen Raum. Mit Hilfe des Mediums Licht erforscht er architektonische Räume und deren soziale und politische Diskurse. 1994 realisierte Kuball die Lichtinstallation refraction house in der Synagoge Stommeln. Seit 2007 ist Mischa Kuball Professor an der Kunsthochschule für Medien, Köln, der Hochschule für Gestaltung/ZKM, Karlsruhe und seit 2015 Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Künste NRW. Im Januar 2016 wurde er mit dem Deutschen Lichtkunstpreis ausgezeichnet.
Hans-Joachim Roedelius (*1934) spielt Experimental-, Ambient- und Elektronikmusik. Er ist bekannt als Mitbegründer der Krautrock-Bands Cluster und Harmonia sowie für sein Mitwirken im Ambient-Jazz-Trio Aquarello. Zu Beginn der 90er Jahre bewegte er sich auf das Gebiet des sich gerade entwickelnden Techno, den er entscheidend mit beeinflusste, erstmals mit seinem 1991er-Album Der Ohrenspiegel. 2007 spielte er mit der Gruppe Cluster das Eröffnungskonzert der documenta21 in Kassel.
Axel Manrico Heilhecker (*1954) ist Gitarrist, Komponist, Produzent und Sänger. Als Tournee-Gitarrist spielte er unter anderem mit Marius Müller-Westernhagen, Herbert Grönemeyer und Klaus Lage. Als Gitarrist bei Harald Schmidt trat er unter anderem mit Jim Capaldi, Eric Burdon, Meat Loaf, und James Belushi bei Live-Aufzeichnungen auf. Heilhecker ist Gründer und Inhaber des Labels Phonokultur.
Thomas Klein ist Schlagzeuger der Düsseldorfer Band Kreidler die 1994 gegründet wurde. Sie verbindet elektronische mit akustischen Instrumenten und wird von der Kritik je nach Veröffentlichung als Techno, Pop, Avantgarde, Postrock, Ambient oder Electronica charakterisiert. Außerdem ist er solo als Søylyst mit elektronischer Musik und als Perkussionist auf verschiedensten Electro-Festivals unterwegs.

Di, 11. Juli 2017 | 20 Uhr | Stommeln
Christian Dierstein | Schlagzeug

Energetische, improvisierte und komponierte Schlagzeugklänge treten in klangliche Interaktion mit der herausfordernden Akustik eines alten Kirchenraums.
Christian Dierstein absolvierte sein Musikstudium bei Bernhard Wulff in Freiburg, bei Gaston Sylvestre in Paris und bei Wassilios Papadopulus in Mannheim. Seit 1988 ist er der Schlagzeuger des ensemble recherche und seit 1994 des Trio accanto mit Nic Hodges und Marcus Weiss.
Er beschäftigt sich intensiv mit außereuropäischer Musik und der freien Improvisation. In der Saison 2010/11 war er einer der Rising Stars der European Concert Hall Organisation. Sein solistisches Auftreten mit verschiedenen Orchestern führt ihn um die ganze Welt.
Zahlreiche Rundfunk- und CD-Einspielungen als Solist und mit Kammerensembles belegen sein Können. Seit 2001 ist er Professor für Schlagzeug und Neue Kammermusik an der Hochschule für Musik in Basel und seit 2014 Gastprofessor in Madrid. Er gab zahlreiche Kurse für Schlagzeug, u.a. in Buenos Aires, Berlin, Chicago, Los Angeles, Genf, Madrid, Moskau, New York, Oslo und Peking. Seit 2008 ist er Schlagzeugdozent bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt, seit 2011 Dozent bei den Impuls Kursen in Graz und seit 2017 Tutor bei der Luzern Akademie.

13. Juli 2017 | 19 Uhr | Leverkusen
Ensemble Musikfabrik | Walking with Partch

Der Godfather der US-amerikanischen Just-Intonation-Bewegung, der Komponist, Theoretiker, Visionär und Instrumentenbauer Harry Partch (1901-1974), hat ein hochkomplexes Tonsystem entwickelt, das die Oktave in 43 Töne unterteilt - eine ungewöhnlich große Zahl an mikrotonalen Abständen, die die Realisierung seiner Musik auf herkömmlichem Instrumentarium unmöglich machte. So entwickelte und baute Harry Partch im Laufe seines Lebens ein umfangreiches Instrumentarium - klingende Tonskulpturen von eigenwilliger Schönheit und großer Bühnenpräsenz.
Für das Ensemble Musikfabrik wurde im Jahr 2012 dieses gesamte mikrotonale Instrumentarium von Thomas Meixner nachgebaut. Der Nachbau ist ein weltweit einmaliges Großprojekt, bei dem mehr als 50, zum Teil skulpturale Instrumente gebaut wurden. Bis 2012 existierte nur ein einziger kompletter Satz aller Originalinstrumente in den USA. Die fragilen und zum Teil in schlechtem Zustand befindlichen Instrumente lagern heute an der School of Music der University of Washington in Seattle und sind nur einem kleinen Kreis von Personen zugänglich. Das ist der Grund, warum Partchs mikrotonales Werk bis heute -außerhalb der USA - noch so gut wie unbekannt ist.
Erstmals in Europa schaffte das Ensemble Musikfabrik durch den Bau des Instrumentariums die Voraussetzung, das faszinierende, exotische Œuvre Harry Partchs einer breiten Öffentlichkeit in der Form zugängig zu machen, wie es vom Komponisten gedacht wurde: als LIVE-Ereignis.
Dieses Programm wurde im Rahmen von campus Musikfabrik durch die Kunststiftung NRW gefördert.

So, 16. Juli 2017 | 18 Uhr | Stommeln
Simon Rummel | Harmonielehre

Das von Simon Rummel entwickelte und gebaute Instrument Harmonielehre öffnet ein Tor in die Welt der unendlich vielen Tonkombinationen jenseits der Einteilung der Oktave in zwölf gleiche Abstände. Sie basiert auf in der Länge variablen Orgelpfeifen, deren Tonhöhen stufenlos veränderbar sind. Diese mikrotonalen Glissandi des imposanten Instruments erfüllen in ständiger Variation den Kirchenraum.
Simon Rummel (*1978 in Trier) ist Improvisationsmusiker (Klavier, Geige, Orgel), Komponist und Klangkünstler. Er beschäftigt sich mit akustischen Phänomenen, die er in künstlerische Installationen überträgt. An der Hochschule für Musik und Tanz Köln studierte er Jazzklavier und Komposition bei John Taylor, Hans Lüdemann, Paulo Álvares und Johannes Fritsch sowie freie Kunst bei Georg Herold an der Kunstakademie Düsseldorf. Zu seinen vielfältigen Arbeiten zählen Kompositionen für verschiedene Ensembles, musikalische Projekte und Performances, Tanz- und Theaterarbeiten u.a. für die Company Blue Elephant und die Junge Kammeroper Köln. 2008 war Simon Rummel Stipendiat des Künstlerdorfes Schöppingen und 2009 Improviser in Residence in Moers. Seine Klangperformance Harmonielehre wurde 2011 mit dem QuattroPole-Kunstpreis Robert Schuman für Komposition ausgezeichnet. Mit seinem Simon Rummel Ensemble war und ist er in zahlreichen Konzerten zu hören. 2013 erhielt er das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln.

Veranstaltungsorte

Köln: Temporary Gallery, Zentrum für zeitgenössische Kunst e.V., Mauritiuswall 35, 50676 Köln
Leverkusen: Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80, 50377 Leverkusen
Stommeln: Alte Kirche St. Martinus, Ingendorfer Straße, 50259 Pulheim

Veranstalter
Stadt Pulheim.Kultur, Temporary Gallery, Museum Morsbroich

Programmauswahl
Harald Kimmig | Sara Bosqui

Raumklänge dankt:

Raumklänge ist eine Kooperation von der Stadt Pulheim, dem Museum Morsbroich und der Temporary Gallery, Zentrum für Zeitgenössische Kunst e.V. im Rahmen der regionalen Kulturpolitik NRW. Raumklänge dankt allen Förderern und Veranstaltungspartnern für die Zusammenarbeit: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Kultursekretariat NRW Gütersloh, der Pfarrgemeinde St. Martinus Stommeln und der Stadt Köln

Kontakt

Alte Kölner Straße 26
50259 Pulheim

Telefon: 02238 - 808-0
Telefax: 02238 - 808-345

www.pulheim.de
stadtpulheim@pulheim.de

Öffnungszeiten

Montag - Mittwoch
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 16.00 Uhr

Donnerstag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr
14.00 Uhr – 18.00 Uhr

Freitag
08.30 Uhr – 12.00 Uhr

Zusätzlich im Einwohnermeldeamt
Dienstag 16.00 Uhr – 18.00 Uhr
Donnerstag 18.00 Uhr – 19.00 Uhr

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sind durchgehend geöffnet


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